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Wer das Elend der deutschen Abwärtsentwicklung lokalisieren möchte, nennt gerne die Uckermark. Jene Gegend, aus der Angela Merkel kommt. Zwischen Berlin und der Insel Rügen. Eine entleerte, deprimierte, geschrumpfte und nicht förderfähige Region. Warum wird nie von Aufbrüchen in der Uckermark berichtet? Und wenn doch: warum nur von gescheiterten? Gibt es nur das? Hans-Peter Gensichen, der bis 2007 in Ostdeutschland gelebt hat, hat einen Zukunftsroman „Uckermark“ geschrieben. Er spielt im September 2010. Ein optimistischer Bericht von der Zukunft am deutschen Rand. In Grutzkow an der Ucker geschieht ein Aufbruch, ein Neuanfang.
Hans-Peter
Gensichen Uckermark Zukunftsroman
Eberswalde
2009 PS Verlag20,00 Euro
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Marta, Designerin aus Berlin, flieht zu ihrer Freundin Sara. Die betreibt eine „Kulturburg“ in Grutzkow an der Ucker. Der polnische Pizzafahrer Kasimier Glatz bringt Marta vom Bahnhof Pasewalk zur Burg. Der Bahnbetrieb dorthin wird gerade eingestellt. Kasimier träumt von einem Pizzaservice plus Taxidienst. In Grutzkow wohnen 40 Menschen. Vor 30 Jahren waren es dreimal so viel. Marta ist von dem „Baron“ fasziniert, der auf seinen Grutzkower Feldern „Land Art“ gestaltet. Es wird die große Liebe. Die Bürgerinitiative gegen die Streckenstilllegung verliert ihren Kampf. Die Kulturburg brennt. Alles deutet darauf hin, dass Martas Ex sie angesteckt hat. Sara verliert das Kind in ihrem Bauch, als sie den Brand bemerkt. Es ist ihre schwerste Krise. Ein Grutzkower von Geburt an ist Heinzi. Arbeitslos und oft besoffen. Ein leidenschaftlicher Modelleisenbahner. Er sammelt leere Flaschen für den Glasbläser Gerd. Er überlegt, ob man nicht auch Metall sammeln könnte. Ein anderer ist Bernd Schubbutat. Ein Mikroelektroniker, der für die DDR spioniert hatte. Jetzt heuert Professor Struck ihn an. Struck will Kompaktelemente zerlegbar und Geräte wieder reparierbar machen. Dann sind da Susanne und ihr geschiedener Mann Fritz Ickler. Ickler nimmt sich vor, die Beißratten, die sich neuerdings im Ort tummeln, abzuschießen. Er entdeckt, dass ihnen SS-Runen ins Fell gebrannt worden sind. Anette Piper verlässt wegen dieser Ratten Grutzkow und geht nach Polen. Oder Schulzes. Sie sind so verschuldet, dass schon ihre beiden Porzellankatzen gepfändet werden mussten. Sie kommen aus dem Suff nicht raus. Schon zu DDR-Zeiten musste man sie täglich zur Arbeit abholen. |
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Mehrmals wird im Roman auf einen Essay angespielt, den Uli Wend gerade schreibt. Uli Wend ist Pfarrer und steht im Konflikt mit dem Bischof. Mehr über den Essay: (www.befreiungstheologie.eu) . Sandra Weckert, die Berliner Jazz-Saxophonistin (www.sandraweckert.de) tritt mehrmals auf. Ihr Titel WAY OUT EAST ist der geheime Untertitel des Romans. Die Nazi-Ratten und der Brand auf der Burg schmieden das Dorf zusammen. Als dann auch noch der Landrat allen schreibt, das Dorf solle leergesiedelt werden, beschließen die Grutzkower das genaue Gegenteil. Die kleinen Überlebensstrategien von Einzelnen verbinden sie zu einem gemeinsamen Entwurf.
Die Sache mit
der Reparierbarkeit. Heinzis
Eisensammelei. Die Land Art des
Barons. Die
Heilkräuter vor dem Haus von Brigitte. Sie wird sie in
Polen verkaufen. Der
Kunstkalender, den Marta entwickelt. Das kombinierte
Taxi von Kasimier. Detlef Schwabe,
der aus Poznan zurückkommt, weil jetzt
endlich was los ist in Grutzkow. Der Jazz auf dem
nächtlichen Feld, wo man im
braunen Schatten der Nacht das zitternde Licht der Sterne wahrnimmt.
Der Roman endet am Vorabend der Einwohnerversammlung, in der Landrat und Bürgerinitiative aufeinander treffen werden. |
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Hans-Peter Gensichen hat nicht geschrieben, was schon ist. Sondern er zeigt, was sein kann und werden wird: In einer aufgegebenen, leer gemachten und hoffnungslosen Gegend. Dort blüht etwas. Blühende Brache – die Form von „blühenden Landschaften“, an die Helmut Kohl nicht gedacht hat. Das Buch „Uckermark. Zukunftsroman“ umfasst 314 Seiten. Es kostet 20,00 Euro und kann HIER bestellt werden. gens-tueb@web.de |